Flumserberg im Heidiland

Betrieb auf Panüöl geht weiter

Bericht im Sarganserländer vom 17. Februar 2004     Text und Bilder von Helen Baur-Rigendinger, Walenstadt

Pächter-Ehepaar Pfanner erlebt riesige Solidarität seitens der Gäste

Nachdem die nostalgische Alphütte in Flumserberg (Panüöl) bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist, erlebt das Pächter-Ehepaar eine ungeahnte Solidarität. "Wir machen bis Saisonschluss am 18. April weiter", versichern René und Angi Pfanner.

Flumserberg - Im Rücken die in die Jahre gekommene Alphütte. Vor sich ein faszinierendes Alpenpanorama. Dazu eine Käseschnitte oder ein Salsiz, ein Tee oder ein Glas Wein: Skifahrer und Snöber, Spaziergänger und Hündeler, Schlittler und Langläufer von nah und fern assoziieren das auf 1803 Meter gelegene Panüöl mit Ruhe, Abgeschiedenheit und intakter Natur. Ein Ort wo die Zeit stillgestanden ist.


Bis auf die Grundmauern niedergebrannt: Die beliebte "Teehütte Panüöl". Trotzdem wird auf Panüöl weitergewirtet.

Ein klägliches Bild
Den Zauber vergangener Zeiten hat das Pächterpaar Angi und René Pfanner während 22 Jahren aufrecht erhalten. In der Nacht auf Donners- tag, 10. Februar 2004, wütete der rote Hahn und vernichtete die in ein Restaurant umgebaute Alphütte bis auf die Grundmauern.
Wenige Tage später bietet sich dem Besucher auf Panüöl ein klägliches Bild. Wo die ehemalige Hütte gestanden hat, ragen lediglich Mauerreste und die beiden Kamine aus den Schneemassen. "Betreten des Brand- platzes verboten", steht auf der Tafel neben der Brandruine. Die neben- stehenden Alpgebäude sind glücklicherweise nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der West-wind geblasen und die Flammen auf die ganze Siedlung übergegriffen hätten.
In der vor zweieinhalb Jahren eröffneten, einige Meter unterhalb des Brandobjektes gelegenen Alphütte "Ruhegg" schenkt Angi Pfanner einem Gast Tee aus. Ihr Mann schiebt eine Käseschnitte in den Ofen. Die Solidarität mit dem Pächterpaar ist riesig. Wer immer auftaucht, stellt die gleichen Fragen. Wie gehts? Warum brannte es? Kann ich euch irgendwie helfen? Den Pfanners sitzt der Schock auch Tage nach dem Brand noch in den Knochen. Küche, Restaurant sowie sanitäre Anlagen in der "Ruhegg", dem Wintermassenlager, sind klein und demzufolge ist Flexibilität und Improvisation gefragt. Trotzdem sind die beiden froh, dass sie tagsüber mit Arbeit abgelenkt werden. Ihnen genügen schlaflose Nächte , wo sich alles im Kopf dreht.

Gottlob keine Menschen
Wie haben sie vom Unglück erfahren? "Als ich kurz nach sieben Uhr zuhause in Tscherlach vom Brand erfuhr, war mir sofort klar, dass ich sofort in die Hütte hinein muss", blickt René Pfanner zurück. So schnell als möglich fuhr er mit seiner Frau den Flumserberg hoch und danach "wie der Teufel" mit den Schneetöff weiter nach Panüöl, dass er am Vorabend um 18.00 Uhr verlassen hatte.  Beim Anblick der rauchenden Trümmer war sofort klar, dass nichts mehr zu retten war. Gottlob, sind sich heute beide einig, sind keine Menschen zu Schaden gekommen.
Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt. Einiges sei ersetzbar, sagt Pfanner, der in den vergangenen Jahren viel Zeit und Liebe in die Hütte mit dem orginellen Stübli investierte. Zu Beginn habe man über zehn Tischgarnituren verfügt. Diesen Winter waren es vierzig. Auch sie liegen unter Schutt und Asche. Besonders schmerzt jedoch der Verlust der "alten Sachen", darunter die über hundertjährigen Kuhglocken, diverse Fotos, sowie die bei jung und alt beliebten Holzspiele. Ein Raub der Flammen wurde auch  der von seiner Frau kreierte Christbaumschmuck sowie der Osterbaum. Mit Schrecken festgestellt wurde zudem, dass gleich beide Agenden fehlen, in denen die Daten und Anzahl  Belegungen der kommenden Wochen notiert waren. "Uns bleibt nichts anderes, als abzuwarten und zu schauen wer kommt", sagt Angi Pfanner.


Erhalten Kraft von treuen Gästen: Angi und René, das langjährige Pächterpaar.

Brandursache noch unbekannt
Über den Grund des Brandes kann derzeit nur spekuliert werden. Der Erkennungsdienst habe ein spezielles Augenmerk auf den Kühlschrank gerichtet, sagt Pfanner. Die Ermittlungen sind noch im Gange. Viel Kraft erhält das Pächterpaar in diesen Tagen von treuen Gästen aus nah und fern. Trotzdem sich die beiden vor einem Ansturm bei schönem Wetter "fast fürchten", wollen sie weitermachen.
Was genau die Zukunft bringt, entscheidet die Ortsgemeinde Flums-Dorf. "Natürlich möchten wir so schnell als möglich eine Hütte, wo ein geordneter Arbeitsablauf gewährleistet ist", sagt René Pfanner.So wie es einst war, da macht er kein Geheimnis daraus, wird es aber nie mehr werden.

Nachtrag:
Die Ermittlungen des feuerpolizeilichen Erkennungsdienstes ergaben,
dass ein Kurzschluss an einem Kühlschrank den Brand verursacht hat.

Nach oben